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Volkskunde (Empirische Kulturwissenschaft)

Im Jahre 1998 nahm der Lehrstuhl für Volkskunde (Empirische Kulturwissenschaft) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena den Lehrbetrieb auf. Erstmals gibt es damit in Thüringen eine wissenschaftlich-universitäre Volkskunde. Der Traum von einer Thüringischen Volkskunde hatte seit dem vorigen Jahrhundert in einer heimatforschenden Vereinigung Ausdruck gefunden, an einer Universität jedoch - im Gegensatz zu anderen Ländern - war er nie realisiert worden.

Volkskunde wurzelt im 18. Jahrhundert, in Staatswissenschaft, Statistik und Romantik. Mit ihren Sammlungen zu Volkspoesie und Rechtsaltertümern legten die Brüder Grimm (wie schon zuvor Joh. G. Herder) den Grundstein für eine geisteswissenschaftlich-philologisch ausgerichtete, vielerorts noch bis in die 1960er Jahre unter dem Dach der Germanistik arbeitende Disziplin.

In den 1970er Jahren wandelte sich das Selbstverständnis der Volkskunde - hin zu einer Sozial- und Kulturwissenschaft. Dennoch ist eine erstaunliche Konstanz auszumachen: Erzählforschung und Sachkulturforschung, jene seit Anbeginn der Volkskunde eigenen Bereiche, sind bis heute zentrale Forschungsfelder des Faches geblieben.

Volkskunde, an anderen Universitäten auch unter den Namen Empirische Kulturwissenschaft, Europäische Ethnologie oder Kulturanthropologie zu finden, ist eine kulturwissenschaftliche Disziplin, die in enger Verbindung mit Nachbarfächern wie Geschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Ethnologie, Religionswissenschaft sich den Lebensformen der Menschen zuwendet - vornehmlich im Bereich der eigenen (regionalen, deutschsprachigen) Kultur.

Volkskunde ist ein empirisches Fach. Seine Zugänge sind vornehmlich qualitative (weiche) Methoden, seine Arbeitsweisen hermeneutisch-interpretative. Im Zentrum seines Interesses steht die Popular- und Alltagskultur - in ihrer Prägung durch Geschichte, Geschlecht, Gesellschaft; als ein Bedeutungsgeflecht, als ein Netz von Symbolen und Zeichen, in seinen Objektivationen und Subjektivationen; die alte Volkskunde sprach von Kulturgebilden und Kulturgebärden, Dinggebrauch und Dingbedeutsamkeit.

Die Verknüpfung von ethnographischem und historischem Blick könnte daher als Spezifikum der Volkskunde gelten: Blicke aus der Gegenwart und ihren kulturellen Erscheinungsformen auf das konkret, in Orten und Räumen, Dingen und Handlungen Faßbare als das regional und geschichtlich Gewordene. Dies unterscheidet die Volkskunde von der Soziologie wie von der Geschichte oder Ethnologie.

Die Gründe für die Beibehaltung des Namens Volkskunde - trotz aller begrifflichen Unschärfen und Schwächen - liegen in diesen Eigenheiten des spezifischen Zugriffs und in der Fachtradition. Bis heute heißt - dies äußeres Zeichen und Band - der wissenschaftliche Dachverband Deutsche Gesellschaft für Volkskunde (gegr. 1904), sein zentrales Organ Zeitschrift für Volkskunde.

Kulturgeschichte

Kulturgeschichte versteht sich als historische Wissenschaft vom Menschen (studium humanitatis, science de 1´homme). Nach der Definition des Anthropologen Edward Burnett Tylor (1871) ist Kultur "der Inbegriff von Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetz, Sitte und allen übrigen Fähigkeiten und Gewohnheiten, welche der Mensch als Glied der Gesellschaft sich angeeignet hat". Dabei befaßt sich die Jenaer Kulturgeschichte schwerpunktmäßig mit der eigenen Kultur, d. h. mit der europäisch-abendländischen Kultur.

Kulturgeschichte verfährt (wie jede Geschichtswissenschaft) empirisch; sie gewinnt ihre Erkenntnisse in methodisch verantworteter Weise aus Quellen (empirisch vorfindlichen Substraten, Objektivationen des Kulturprozesses), unter denen traditionell Schriftquellen an erster Stelle stehen (im Blick auf das Privatleben von Menschen also beispielsweise Auto biographien, Tagebücher, Briefe, Reiseberichte usw.), die jedoch im Rahmen einer fortschreitenden Kulturwissenschaft zunehmend durch Sachrelikte, Bildquellen, musikalische Überlieferung ergänzt werden. In Anknüpfung an die entwickelte Geschichtswissenschaft (Historismus) sind auch für die Kulturgeschichte folgende Gesichtspunkte leitend:

1. Sie ist traditionsverpflichtet, d. h. der kritischen Aneignung und Weitergabe des Erbes der vergangenen Generationen verschrieben.

2. Sie ist identititätsbezogen, weiß also um die Standortgebundenheit jeder Erkenntnis und nimmt den Standpunkt des erkennenden Subjekts für die Konstitution von Wissensbeständen (Objekten) ernst.

3. Sie verfährt entwickelnd, d. h. sie strebt nach Erklärung und Verstehen von Tatbeständen und Befunden aus ihrer Genese.

Die Jenaer Kulturgeschichte bietet im Wechsel Lehrveranstaltungen, die sich fünf verschiedenen Ansatzpunkten zuordnen lassen:

1. Vergleichende europäische Kulturgeschichte: Aus dem systematischen Vergleich unterschiedlicher nationaler Entwicklungen in Europa werden Erkenntnisse gewonnen.

2. Kulturtheorie: Um ein Selbstbewußtsein der Kulturgeschichte als solche zu erlangen, bedarf es der ständigen Reflexion auf den zugrundeliegenden Kulturbegriff, seine Alternativen und seine Entwicklung.

3. Wissenschaftsgeschichte: Verantwortliches wissenschaftliches Handeln bezieht seinen Charakter aus dem Rückbezug auf die Entwicklung der Wissenschaft selbst.

4. Institutionenkunde: Neben den werkhaften kulturellen Konkretionen (Bauwerke, Gedichte, Lieder usw.) gilt es, die institutionellen im Blick zu behalten (Kirche, Universität, Schule, Hof usw.).

5. Medienanalyse: Einen wesentlichen Zugang zu Kultur gewinnt man über die Analyse der Medien der Kommunikation, die in einer bestimmten Epoche zur Verfügung standen (Briefe, Zeitschriften, Gemälde, Filme usw.).